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Ängste

Ängste bei Hunden sind häufiger als manchmal angenommen. Zumindest Angstaggression wird nicht immer als solche erkannt und als "dominant" betrachtet. Auch der ängstliche Hund, der blockiert, wird teilweise einfach als stur bezeichnet.

Angst zu erkennen ist eine Sache. Eine weitere, richtig damit umzugehen, um dem betroffenen Hund auf Dauer zu helfen.

Wie immer bei der Hundeerziehung gibt es auch hier keine Rezeptesammlung, die da besagt: Nehmen sie A+B, werfen Sie es in einen Topf, kräftig rühren, abkühlen lassen und dann jede Stunde einen Teelöffel davon dem Hund eingeben.

Der Hund hat auch keinen eingebauten Ein- und Ausschalter und er versteht die menschlichen Worte nicht, die ihm zu erklären versuchen "daß er doch vor dem Hund Y keine Angst zu haben brauche".

Was mir in der Zeit, als ich noch Hundekurse abhielt, auffiel: Angst ist für nicht wenige Hundebesitzer ein enorm belastendes Problem. Man möchte es "wegmachen", "es nervt", "es ist peinlich", der Hund ist "feige" und dementsprechend häufig wird völlig falsch auf Angst reagiert: Nämlich mit Strafe. Oder auch mit verachtendem Spott.

Angst hat viele Gesichter: Sie kann sich ausdrücken in einem planlos erscheinenden um-sich-beißen bis hin zur totalen Lähmung. Und dazwischen gibt es alle Abstufungen. Körperliche Anzeichen können sein: In aktueller Situation: Speicheln, hecheln, hektisches Traben, nicht mehr ansprechbar, keine Nahrungsaufnahme. Bei Dauerstreß kommen langfristig u.U. hinzu: psychosomatische Symptome wie zB Durchfall, Erbrechen, Hautprobleme, Selbstzerstörung (zB benagen der Pfoten), Nahrungsverweigerung usw.

Ursachen gibt es viele. Besonders zu erwähnen ist hier die Angst aufgrund mangelnder Erfahrung und sie betrifft jene Welpen, die entweder überbehütet aufwachsen und nie mehr erleben dürfen als den heimischen Garten oder die in der Scheune eines Massenzüchters geboren wurden. Der Kreislauf geht weiter, wenn der neue Besitzer fälschlicherweise seinen Welpen in seinen Ängsten unterstützt oder ihn weiterhin isoliert oder aber überfordert.

Ängste können erworben sein und hier reicht manchmal ein einziges Erlebnis. Eine Schwierigkeit hier ist, daß nicht immer exakt mit dem Objekt verbunden wird, das die eigentliche Ursache war, sondern mit dem, was der Hund in diesem Moment wahrgenommen hatte. Fehlinterpretationen bei Hunden aus zweiter Hand sind häufig und deshalb sollte man sich zurückhalten mit "Diagnosen". Es hilft meist auch nicht viel, die Grundursache zu kennen.

Angst ist kein angenehmer Zustand und Angst blockiert die Fähigkeit, neues zu lernen. Einen Hund durch seine Angst an der Leine durchzuziehen ist ebenso sinnlos, wenn nicht kontraproduktiv wie verzweifelte Versuche, ihn abzulenken mit Futter oder Spielen. Normalerweise frißt oder spielt ein Hund nicht in Angstsituationen.

Bevor überhaupt mit einem "Therapieplan" begonnen wird, erscheint es mir als aller wichtigstes, daß der Hund seinem Menschen, also seinem Besitzer, vertrauen kann. Nur dann ist auch eine Basis erreicht, in der der Hund fähig ist, neu zu lernen. Ein Hund, an dem bereits herumprobiert wurde, evtl. sogar mit diversen Strafmaßnahmen und dessen Besitzer sich durch Ungeduld, Hektik oder wirre Signale auszeichnet, wird immer mehr in einer Angstspirale ertrinken. Wichtige Grundsätze sind: Geduld, Ruhe und Verständnis.

Nun sollte man aber bedenken, daß Ängste bei Menschen häufig einer sehr langen Therapie bedürfen - und beim Hund soll alles "schnell und einfach" gehen? Der Mensch möchte sofort eine Antwort auf das Warum und gleich eine Lösung, die sofort funktioniert. Das kann es nicht geben, denn was auch immer der Hund mit einer jeweiligen Erfahrung verbindet - manches sitzt sehr tief und braucht sehr viel Zeit.

Routine und Rituale, die dem Alltag des Hundes einen festen, aber nicht starren Rahmen geben, haben sich als sehr hilfreich erwiesen: Das Vertraute gibt Sicherheit.

Klare Signale sind ebenfalls ein Muß - eigentlich generell im Umgang mit Hunden. Nur so findet er die notwendige Orientierung innerhalb seiner Gemeinschaft.

Angst vor dem eigenen Besitzer

Der gerettete Tierheimhund mit negativen Erfahrungen mit Menschen wird vermutlich nicht "dankbar über seine Rettung" vom ersten Tag an vertrauensvoll auf seinen neuen Menschen zugehen. Zeit und Geduld spielen eine große Rolle, aber auch die menschliche Körpersprache!

Berühren: Berühren und streicheln wird von vielen Hunden erst einmal als Bedrohung betrachtet und nicht als freundliche Kontaktaufnahme, wie der Mensch meint. Auch wenn es schwerfällt - zeigt ein Hund, daß er im Moment nicht berührt werden möchte, dann sollte man es auch lassen.

Von oben kommen: Ein Standardfehler im Umgang mit Hunden ist das Greifen von oben, was von ängstlichen Hunden eigentlich immer als "Angriff" betrachtet wird.

Anstarren und Locken: Das macht den Hund meist sehr mißtrauisch und treibt in psychisch in die Enge

In Hocke gehen: Der erste Schritt - gleiche Höhe schaffen, sich kleiner machen, hier fasst sich so mancher Hund bereits ein Herz und kommt näher.

Kopf wegdrehen und in Hocke: Bei mißtrauischen Hunden eine weitere Hilfe. Wer nicht angesehen wird, wird auch nicht bemerkt

Mit dem Rücken zum Hund und in Hocke: Für sehr ängstliche Hunde.

Wird ein sehr ängstlicher Hund aufgenommen, sollte man auf noch etwas achten: Der Hund benötigt zwar eine sichere und ruhige Rückzugsmöglichkeit, sollte aber keine Möglichkeit haben, sich zB unter einer Eckbank oder einem Tisch zu verstecken. Es kann nämlich dann durchaus sein, daß er in die Ecke gequetscht nicht mehr den Mut findet, wieder hervorzukommen und wenn man ihn holen will, könnte er aus der Enge heraus beißen. Und dies sollte man sich und dem Hund zuliebe von vorneherein vermeiden.

Vertrauen schaffen

Vertrauen erreicht man nicht mit Locken, Zwangsberührung etc, sondern nur durch Ruhe und vor allem Klarheit. Deshalb möchte ich nocheinmal allen "Angsthundbesitzern" das Clickertraining nahelegen. Warum? Es ist wie alles in der Hundeerziehung kein Zaubermittel, aber: Es ist ein Weg, der den Menschen zwingt, neu und anders über Hunde nachzudenken und vor allem - man braucht keine Worte und keine unmittelbare Nähe zum Hund und hat dennoch die Möglichkeit, überaus klar mit dem Hund zu kommunizieren.

Ob mit oder ohne Clicker: Beständigkeit und klare Signale, ich meine hier noch gar keine Kommandos, sind wichtig für ängstliche Hunde. Ein Alltag, der Routine wird, mit vorhersehbaren Zielen und Ereignissen gibt Sicherheit.

Systematische Desensibilisierung

Ein Begriff, über den man sich Gedanken machen sollte: Es bedeutet, einen Hund schrittchenweise an angstauslösende Geräusche derart heranzuführen, daß Anfangs der Reiz (zB ein Geräusch) so gedämpft gegeben wird, daß es noch keine Angst auslöst. Angstfreies Verhalten wird belohnt. Die Lautstärke wird allmählichst erhöht, bis sie Originallautstärke hat. Im Idealfall hat sich der Hund auf diese Weise so an das Geräusch gewöhnt, daß es ihn nicht mehr beunruhigt.

Die s. D. kann eine effektive Sache sein - nur leider bei Ängsten in belebten oder spontanen Situationen meist nicht realistisch. Man kann für einen Hund mit Angst vor Menschen die Welt nicht mit lauter eingeweihten Statisten besetzen.

Es widerstrebt mir, eine "Gebrauchsanweisung" zu geben, ich will nur Anregungen geben und Mut für all diejenigen, die einen ängstlichen Hund zuhause haben. Aber jeder Hund ist ein eigenständiges Individuum, Patentrezepte versagen und statt dessen hilft in vielen Fällen nur Hundeverständnis und Geduld. Und eine feste, sichere Basis, die wirkliche Gemeinschaft zwischen Hund und Mensch. Ich bin beruflich schon so vielen Hunden begegnet, die sich verschlossen hatten vor dem Menschen. Bei jedem Hund war die "Lösung" zur Erreichbarkeit anders und bei wenigen war es nicht mehr möglich.

Nur eines möchte ich im Moment noch mit auf den Weg geben: Egal, wie unlösbar ein Problem erscheint, gebt nicht auf. Angsthunden gehört all meine Liebe, auch wenn man mit ihnen manchmal unendlich viel Geduld benötigt. Benützt das Forum zum Erfahrungsaustausch und berichtet von Euren Hunden. Nur durch die Erfahrung vieler Menschen mit ihren Hunden, auch aus Fehlern vielleicht, können andere lernen, mit ihrem eigenen Hund besser zurechtzukommen.

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